Potsdam, der 03.09.2026 — Im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport des Brandenburger Landtags erfolgte heute die Anhörung zum Entwurf des Kita-Finanzierungsneuordnungsgesetzes (KitaFinNG). Die drei Bündnispartner „Kita.Macht.Bildung“, „KiTAKOLLAPS“ und die LIGA Brandenburg haben das zum Anlass genommen, um mit einer Protestaktion noch einmal sehr deutlich auf die Konsequenzen hinzuweisen, sollte das Gesetz in der vorliegenden Form umgesetzt werden.
Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege – Spitzenverbände im Land Brandenburg warnt vor einer deutlichen Schwächung der Rolle und Funktion der Landesintegrationsbeauftragten im Zuge der Neuorganisation des Sozialministeriums. Wurde die Position bislang als weisungsunabhängige Stabsstelle im Organigramm des Ministeriums geführt, erscheint sie nun nur noch als Referatsleitung im Bereich Zentrale Dienste. Zugleich soll das bisherige, hochqualifizierte und eingespielte Team von drei Mitarbeitenden aufgelöst werden.
Zur heute veröffentlichten aktuellen Statistik untergebrachter wohnungsloser Menschen des Statistischen Bundesamtes erklärt Michael Groß, Präsident der Arbeiterwohlfahrt:
Vom 22. bis 28. Juni 2026 findet die Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ statt. Der AWO Bundesverband koordiniert das neue Projekt GEPAQ, das gesundheitsfördernde Strukturen im Quartier auf- und ausbaut und die soziale Teilhabe pflegender An- und Zugehöriger stärkt. Im Fokus: Prävention von Einsamkeit.
03.09.2026
Die drei Partner vertreten einen Großteil der freien Träger im Land Brandenburg, die Seite der Eltern sowie mit den Gewerkschaften GEW und ver.di die Seite der pädagogischen Fachkräfte. Alle Partner eint die Einschätzung, dass das Gesetz in seiner vorliegenden Form sein Ziel verfehlt. Statt die Finanzierung der Kindertagesbetreuung im Land Brandenburg transparent, gerecht und zukunftsfest zu regeln, werden finanzielle Risiken und Mehrbelastungen auf freie Träger und Familien verlagert. Die Bündnispartner fordern deshalb: Der Entwurf darf in dieser Form nicht beschlossen werden!
„Wer gesetzliche Pflichtaufgaben bestellt, muss ihre tatsächlichen Kosten übernehmen. Das Land darf die Verantwortung für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht auf freie Trägerabwälzen . Wir brauchen eine verlässliche, rechtssichere Finanzierung – keine Kostendeckel und keine kommunale Ermessenslotterie,“ sagt Andreas Kaczynski, Sprecher der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege – Spitzenverbände im Land Brandenburg. Im Entwurf vorgesehene Deckelungen bei Miet- und Personalkosten gefährden die wirtschaftliche Stabilität von Kitas. Zugleich soll die Beteiligung an der öffentlichen Finanzierung an eine unbestimmte „angemessene Eigenleistung“ der Träger geknüpft werden. Das schafft Rechtsunsicherheit, eröffnet Kommunen weitreichende Ermessensspielräume und benachteiligt freie Träger gegenüber kommunalen Einrichtungen.
Nach einer gutachterlichen Bewertung von Prof. Dr. Jan Kepert vom Freiburger Zentrum für Kinder- und Jugendhilfe sind zentrale Formen der Kostenbegrenzung rechtlich ohnehin unzulässig: Notwendige Kosten zur Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Kindertagesbetreuung müssen vollständig und angemessen refinanziert werden.
Besonders kritisch ist die geplante Verlagerung der Kosten für die Mittagsversorgung auf die Familien. Steigen die Beiträge deutlich, besteht die Gefahr, dass Eltern ihre Kinder vom Mittagessen abmelden müssen. Für Kinder aus Familien, die Leistungen für Bildung und Teilhabe beziehen, ist eine monatelange Vorfinanzierung zudem vielfach nicht möglich.
Das Mittagessen ist Teil des Bildungs- und Versorgungsauftrags der Kita und muss deshalb vollständig in den Betriebskosten berücksichtigt werden. „Kitas sind Bildungsorte und keine Aufbewahrungsstationen. Die vorgesehene Änderung an der Finanzierung des Mittagessens wird sich mit voller Wucht direkt auf die Kinder auswirken.“, erklärt Robert Witzsche, Mit-Initiator des Bündnis KiTAKOLLAPS. „Kinderrechte, Teilhabe und frühkindliche Bildung dürfen nicht davon abhängen, ob eine Familie es sich leisten oder zusätzliche Kosten kurzfristig vorstrecken kann.“
Der Gesetzentwurf löst die strukturelle Überlastung der Fachkräfte nicht. Es fehlen weiterhin klare Regelungen zur Finanzierung mittelbarer pädagogischer Arbeit und ausreichender Leitungszeit. Auch für lange Öffnungszeiten sind zusätzliche Personalressourcen erforderlich. Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht zu Kündigungen, Arbeitszeitverkürzungen und dem Abbau von Frauenarbeitsplätzen führen. Freiwerdende Mittel müssen im System bleiben, um Qualität zu sichern und die dritte Betreuungsstufe sowie den verbesserten Personalschlüssel für Kinder unter drei Jahren umzusetzen. „Ein Gesetz, das Kitas finanziell enger führt, ohne Personal, Leitungszeit und pädagogische Arbeit abzusichern, produziert das Aus für viele Kitas per Landesrecht. Brandenburg braucht jetzt klare Finanzierungsregeln, die Qualität ermöglichen und Fachkräfte halten – nicht Regelungen, die den Mangel verwalten,“ sagt Maria Schäfer, Sprecherin des Bündnis Kita.Macht.Bildung.
Die Bündnispartner fordern den Landesgesetzgeber auf, den Entwurf grundlegend zu ändern und insbesondere
Brandenburg braucht ein Finanzierungsgesetz, das den Sicherstellungsauftrag der Jugendämter erfüllt und die Vielfalt der Betreuungsangebote schützt. Haushaltsentlastung darf nicht auf Kosten von Kindern, Familien, Fachkräften und freien Trägern gehen.
Rechtsgutachterliche Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf der Landesregierung Brandenburg zur Neuordnung der gesetzlichen Kita-Finanzierunghttps://www.liga-brandenburg.de/Rechtsgutachterliche-Stellungnahme-Prof-Kepert-zur-Kita-Finanzierung-1060369.pdf
Stellungnahme der LIGA Brandenburg zum Entwurf des Kita-Finanzierungsneuordnungsgesetzhttps://www.liga-brandenburg.de/Konsequenzenpapier-zum-Kita-Finanzierungsneuordnungsgesetz-1060321.pdf
Bündnis KiTAKOLLAPShttps://www.kitakollaps.de/
Bündnis Kita.Macht.Bildunghttps://kita-macht-bildung.de/
LIGA Brandenburghttps://www.liga-brandenburg.de/
Pressekontakt:Oliver Bendzko, info@liga-brandenburg.de0176-324 99097
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