Zwangsräumungen verhindern

Informationsbroschüre „Wohnung behalten …“ für alle Landkreise und kreisfreien Städte

Die Personen von links: Bernd Schade, Sozialdezernent Landkreis Teltow-Fläming Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende AWO Bezirksverband Potsdam e.V. Katja Fisch, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe bei der Gemeinsame Landesarbeitsgemeinschaft der AWO in B

Informationsbroschüre „Wohnung behalten …“ für alle Landkreise und kreisfreien Städte

Die Landesarmutskonferenz Brandenburg und die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege – Spitzenverbände im Land Brandenburg machen auf die wachsende Gefahr von Wohnungsverlusten und Wohnungslosigkeit im Land aufmerksam. Mit den Informationsbroschüren „Wohnung behalten …“ steht ab sofort für jeden Brandenburger Landkreis und jede kreisfreie Stadt ein eigenes, niedrigschwelliges Informationsangebot zur Verfügung. Die Broschüren erklären in einfacher Sprache, was bei drohendem Wohnungsverlust passiert, welche Schritte wichtig sind und wo Betroffene vor Ort frühzeitig Hilfe finden.


Minuten Lesezeit

In Brandenburg wurden im Jahr 2024 rund 1.500 Zwangsräumungen angekündigt, 803 wurden vollstreckt. Das sind die aktuellsten vom Land veröffentlichten Zahlen. Bundesweit finden jährlich etwa 32.000 Zwangsräumungen statt. Aus Sicht der Wohlfahrtsverbände ist jede geräumte Wohnung eine zu viel, denn: Zwangsräumungen abzuwenden, ist eine der zentralen Maßnahmen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern.

Informationsbroschüren zur Wohnungsnothilfe
Mit den Broschüren „Wohnung behalten …“ wollen die Brandenburger Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Brandenburg betroffene Menschen frühzeitig erreichen. Für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt enthalten die Broschüren konkrete Hinweise zum Verfahren bei drohendem Wohnungsverlust, wichtige Tipps und Handlungsanleitungen in einfacher Sprache sowie aktuelle Kontakte zu Beratungsstellen, Behörden und weiteren Unterstützungsangeboten vor Ort. Die Broschüren sind online frei zugänglich und stehen unter diesem Link zum Download zur Verfügung:

Andreas Kaczynski, Vorsitzender der LIGA Brandenburg, erklärt: „Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Probleme auf dem Wohnungsmarkt und im Hilfesystem. Wir brauchen in Brandenburg eine verbindliche und ressortübergreifende Landesstrategie. Wer Wohnungslosigkeit bis 2030 überwinden will, muss landesweit Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten fördern, Zwangsräumungen verhindern, Hilfen nach §§ 67 SGB XII stärken und die soziale Wohnraumversorgung sicherstellen. Dafür braucht es jetzt eine verlässliche Finanzierung und den politischen Willen, Wohnungslosigkeit wirksam zu verhindern.“

Deutschland ist als EU-Mitglied aufgefordert, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beenden. 2024 wurde dafür der Nationale Aktionsplan zur Beseitigung der Wohnungslosigkeit beschlossen. Auch Brandenburg hat sich in der Sozialministerkonferenz im November 2025 zur Unterstützung der Umsetzung verpflichtet. Aus Sicht von Landesarmutskonferenz und LIGA Brandenburg braucht es dafür im Land deutlich stärkere politische Aktivitäten und eine verbindliche Landesstrategie Wohnen und Wohnungslosigkeit.

 

Diana Robel, Sprecherin der Landesarmutskonferenz Brandenburg erwartet eine weitere Verschärfung der Situation: „Gestiegene Miet- und Energiekosten, höhere Bau- und Zinskosten sowie der anhaltende Wegfall bezahlbaren Wohnraums verschärfen die Lage. Die aktuelle Wohnungsbaupolitik im Land Brandenburg wird nach unserer Einschätzung nicht ausreichen, den Verlust an sozial gebundenem Wohnraum zu kompensieren. Dabei trifft es besonders Alleinerziehende, einkommensarme Familien mit mehreren Kindern, junge Erwachsene, Senioren und Menschen mit Behinderung oder Flucht- und Migrationsgeschichte. Schon jetzt ist jedes vierte Kind in Brandenburg unmittelbar von Armut betroffen. Neben dem Verlust von Teilhabe an der Gesellschaft ist der Verlust von Wohnraum sicher der gravierendste Einschnitt. Ein Anstieg von Zwangsräumungen muss mit aller Kraft verhindert werden und das verlangt dringend sozial politisches Handeln.“

Die Freie Wohlfahrtspflege in Brandenburg trägt landesweit eine Vielzahl von Beratungs- und Unterstützungsangeboten – darunter Soziale Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung, Allgemeine Sozialberatung, Arbeitslosenberatung und weitere Hilfen. In diesen Angeboten verzeichnen die Verbände seit einigen Jahren eine deutlich gestiegene Nachfrage zum Thema Wohnungsnot. Diese Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur den Berliner „Speckgürtel“, sondern reicht zunehmend auch in ländliche Regionen hinein.

Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbands Potsdam e.V., erklärt: „Viele Frauen ohne Wohnung sind in der Gesellschaft unsichtbar. Für sie bedeutet der Verlust der Wohnung häufig Kontrollverlust, Isolation und Stigmatisierung. Gerade das Hilfesystem wird von den Betroffenen als schwer zugänglich erlebt. In unseren Beratungseinrichtungen legen wir daher gerade für Frauen einen besonderen Schwerpunkt. Denn Wohnungslosigkeit von Frauen ist mit spezifischen Risiken und Gefährdungen verbunden. Sie sind damit eine besonders vulnerable Gruppe, allerdings sehr häufig verdeckt wohnungslos. Umso wichtiger ist es daher, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Und so einfach es klingt: Gegen Wohnungslosigkeit helfen Wohnungen und Armut braucht Geld!“

Hier sind die Informationsbroschüren "Wohnung erhalten" abrufbar
 

Aufruf zur Teilnahme an der KiTAKOLLAPS-Aktionswoche 2026
Aufruf der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Brandenburg

Lila Hintergrund, gelbe Schrift. Text: Kita Kollaps

Das Aktionsbündnis KiTAKOLLAPS ruft auch in diesem Jahr alle Kitas, Horte und Tagespflegestellen in Brandenburg auf, sich vom 11. bis 15. Mai 2026 an der landesweiten Aktionswoche zu beteiligen und damit gemeinsam ein starkes Zeichen für bessere Rahmenbedingungen und ein zukunftsorientiertes Kitagesetz in Brandenburg zu setzen.

Weiterlesen …

© 2023 - 2026 AWO LAG Brandenburg