DEVI Themenblatt Inklusion

Das neue AWO DEVI Themenblatt: Inklusion Querschnittsaufgabe, Selbstbestimmung und Teilhabe

DEVI Themenblatt Inklusion

Bild aus vielen Bunten Punkte, welche das Wort Inklusion ergeben

Das neue AWO DEVI Themenblatt: Inklusion Querschnittsaufgabe, Selbstbestimmung und Teilhabe

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) beschäftigt sich bereits seit über 20 Jahren intensiv mit dem Thema Inklusion. Sie fordert, gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen so zu entwickeln, dass allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht wird. Hierfür müssen barriere- und diskriminierungsfreie Zugänge zu allen gesellschaftlichen Bereichen geschaffen werden. Kein Mensch soll ausgeschlossen sein, egal, ob die Person in Armut lebt, einen Migrationshintergrund hat, nicht heterosexuell ist, Behinderungen hat oder erfährt usw. Deshalb setzt sich die AWO für Inklusion ein.

Quelle: AWO Bundesverband e.V.

Inklusion ist ein Prozess, der die Mehrheit ebenso fordert wie die Minderheiten. Inklusion wird als ein dynamisches Geschehen sowohl zwischen Menschen als auch im Zusammenwirken von Einrichtungen und Diensten vor Ort verstanden. Inklusion ermöglicht eine neue Sichtweise – weg von der Verengung des Blicks auf die Hindernisse und ihre Bewältigung im Einzelnen, hin zu der Frage, was die Gesellschaft und ihre Institutionen brauchen, um ihrem Bildungs- und Förderauftrag für alle Menschen zu entsprechen, ohne auszugrenzen. In einer Gesellschaft, die Inklusion lebt, gibt es keine Gruppen mit Sonderstatus, die in die Mehrheitsgesellschaft integriert und „eingepasst“ werden müssen. Vielmehr ist Verschiedenheit selbstverständlich und jede*r ist auf ihre*seine Art und Weise einzigartig und Teil der Vielfalt. In der Konsequenz heißt das, dass die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie Kontextfaktoren so entwickelt werden müssen, dass sie allen Menschen eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe und barrierefreie Zugänge zu allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglichen.

Das Leitprinzip der Inklusion steht seit der Ratifikation der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen (UN-BRK) 2009 auch in Deutschland im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Deutschland hat sich durch sie zur Umsetzung der Konvention verpflichtet, daher muss das Leitprinzip der Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der Bildung, umgesetzt werden.

Der Bereich der Sozialen Arbeit muss ebenfalls mit dem Ziel weiterentwickelt werden, für alle Menschen Zugang, Mitbestimmung und Teilhabe zu gewährleisten. Auf diese veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen hat die AWO reagiert. In der Dortmunder Erklärung „Inklusion – Auch bei uns!“ formuliert sie ihre Zielsetzungen und ihr Verständnis bezüglich Inklusion und verpflichtet sich zur Umsetzung: „Ausgehend von der Kinder- und Jugendhilfe – als Startpunkt in die inklusive Gesellschaft – wird das Thema Inklusion in allen Arbeitsfeldern der Arbeiterwohlfahrt grundlegend diskutiert und formiert werden, um dem inklusiven Ansatz gerecht zu werden.“

Seit dem 26. März 2009 ist die UN-BRK in Deutschland geltendes Recht. Sie verfolgt das Ziel, die Rechte von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken und die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft zu gewährleisten. Die AWO begrüßt die Ratifizierung der UN-BRK und sieht ihre Umsetzung als einen entscheidenden Meilenstein in der Weiterentwicklung der Behindertenpolitik in Deutschland. Die AWO ist zugleich der Auffassung, dass Inklusion nur in einer Gesellschaft möglich ist, in der die Menschen sozial gesichert leben und arbeiten können – sie findet sich daher durch die Verabschiedung und Ratifizierung der UN-BRK auch in ihrem Engagement für eine solidarische und gerechte Gesellschaftsordnung bestätigt.

Inklusion in der Kita und Kindertagespflege

Inklusion erfindet das Rad in der frühkindlichen Bildung nicht neu, sondern führt bestehende Ideen und Konzepte der Einrichtungen zusammen und weiter. Unter anderem sind in dieser Leitidee Aspekte der Gemeinwesenarbeit, des Gender-Mainstreamings, der interkulturellen Öffnung, der Lebenslagenkonzepte und des Empowerments enthalten. Auch das Konzept der Partizipation ist von zentraler Bedeutung für den inklusiven Prozess.

All diese für die Inklusion bedeutsamen Themenbereiche sind in den Einrichtungen und Diensten der AWO größtenteils seit Jahren präsent. Inklusion bildet eine Art Dach, unter dem bestehende Konzepte zusammengeführt und reflektiert werden sollten. Es gibt also viele Anknüpfungspunkte in der Praxis und wir müssen nicht bei Null beginnen.

Viele Anknüpfungspunkte für Inklusion

Inklusion betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Auch in den Einrichtungen und Diensten kann der Begriff auf verschiedenen Ebenen bearbeitet werden. Der inklusive Prozess muss dabei immer drei Dimensionen in Betracht ziehen, die untrennbar miteinander verzahnt sind: Kultur, Struktur und Handlungspraxis. Der Bereich Kultur bildet hierbei die Basis der anderen zwei Bereiche. Er widmet sich der Etablierung handlungsleitender, inklusiver Werte wie Wertschätzung, Gerechtigkeit und Solidarität. Rahmenbedingungen zu schaffen, die der Vielfalt der Menschen gerecht werden und alle Menschen berücksichtigen, ist Aufgabe einer inklusiven Struktur. Die Handlungspraxis umfasst die konkreten Aktivitäten, in denen sich die inklusive Kultur abbildet.
Inklusion in den Einrichtungen und der Kindertagespflege setzt voraus, dass Kinder, unabhängig von ihren individuellen Fertigkeiten und Bedürfnissen, gemeinsam gefördert und betreut werden und die Chance haben, sich demokratisch zu beteiligen. Dies erfordert von den Fachkräften ein hohes Maß an Kompetenz und eine reflexive pädagogische Haltung, welche die Vielfalt der Kinder wertschätzt. Um Inklusion in der Kindertagesbetreuung angemessen umzusetzen, sind viele Dinge zu hinterfragen und einige Herausforderungen zu bewältigen. Grundvoraussetzungen, damit dies gelingen kann, sind barrierefreie und vielfältige Räume, die den Bedürfnissen aller Kinder gerecht werden, und ausreichend qualifizierte Fachkräfte, die fähig sind, inklusive Bildungsprozesse zu gestalten.

Um Inklusion umzusetzen und sich den veränderten Anforderungen anzupassen, sind die Reflexion und Weiterentwicklung der eigenen Praxis unabdingbar. Denn, wie geschildert, ist Inklusion kein fertiges Konzept, sondern ein dynamischer Prozess, der ständiger Überprüfung und Verbesserung bedarf. Inklusion in den Einrichtungen und der Kindertagespflege ist aber auch mit der Aussicht verbunden, allen Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Teilhabe zu ermöglichen und zu einer inklusiven Gesellschaft beizutragen.

Die Publikation mit der Artikelnummer 12133 kann über werbung@awo.org bestellt werden.

 

Kitareform seit Jahren überfällig

Die Regelungen im aktuell geltenden Kita-Gesetz sind völlig überholt und nicht mehr zeitgemäß. Schrittweise Änderungen lösen das Problem nicht, sondern verschärfen die rechtlichen Unsicherheiten für Kita-Träger, die Eltern und Mitarbeiter*innen. Statt wie im Koalitionsvertrag vereinbart ein neues Gesetz vorzulegen, wurde die Kitareform im vergangenen Jahr durch die Landesregierung ausgesetzt. Am gestrigen Donnerstag befasste sich der Brandenburger Landtag auf Antrag der Linken-Fraktion endlich wieder mit der Reform des Kitagesetzes. Die LIGA der Freien Wohlfahrtpflege und die Gemeinsame Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der AWO Brandenburg begrüßen den Vorstoß für das dringend benötigte Gesetz – auch wenn der Gesetzesentwurf der Linken keine Mehrheit fand.

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Der Landtag Brandenburg im Hintergrund. 4 Frauen mit Plakaten auf einer Demonstration. Die Frauen halten ihre Plakate in die Kamera und lächeln.
Neues KiTa-Gesetz gefordert
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