20 Millionen Stimmen fordern einen gerechten Sozialstaat

Artikel vom 10.03.2026

Mehrere bunte Spielfiguren stehen verteilt auf einer weißen Fläche.

Eine breite Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich einen leistungsfähigen Sozialstaat. Ein großes Sozialstaatsbündnis kritisiert die Schieflage in der politischen Debatte. 14 zivilgesellschaftliche Organisationen mit gemeinsam über 20 Millionen Mitgliedern haben ein Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat gegründet.


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Quelle: AWO Bundesverband e.V.

Das Sozialstaatsbündnis kritisiert die zunehmende Schieflage in der politischen Debatte, in der der Sozialstaat wiederholt als unfinanzierbar oder als reiner Kostenfaktor dargestellt wird. Die Initiative setzt dem eine positive, faktenbasierte Perspektive entgegen: Der Sozialstaat ist nicht nur finanzierbar, sondern essentiell für sozialen Frieden, wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Stabilität.

Michael Groß, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, erklärt dazu:

„Eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland will Menschen mit sehr hohem Vermögen stärker an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt sehen – klarer könnte der Auftrag an die Politik nicht sein. Wir sehen uns bestätigt in unserer langjährigen Forderung nach einer Wiedereinführung der Vermögenssteuer: Der Sozialstaat hat kein Ausgabenproblem, sondern muss sinnvoll finanziert werden. Die Vermögenssteuer würde das wieder ermöglichen. Schluss mit dem Sparzwang bei denen, die sowieso wenig haben! Breite Schultern müssen mehr beitragen zu dem System, von dem auch sie in hohem Maße profitieren – das ist auch der Wunsch der Bürger*innen. Ungleichheit ist eine große Gefahr in Deutschland: für unsere Demokratie, aber auch jeden einzelnen Menschen, der sie in seinem Zuhause als Nachteil erlebt.“

Das Bündnis hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov mit einer Umfrage beauftragt, um herauszufinden, wie die Menschen in Deutschland zu den Themen Sozialstaat, Rente, Pflege, Facharzttermine und Wohnen stehen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt die breite Unterstützung für einen starken Sozialstaat: 79 Prozent der Befragten sagen, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Eine deutliche Mehrheit von 73 Prozent spricht sich dafür aus, Menschen mit sehr hohen Vermögen stärker als bisher zu seiner Finanzierung heranzuziehen. Nahezu einhellig ist die Meinung beim Thema Pflege: 95 Prozent halten eine menschenwürdige stationäre und ambulante Versorgung für notwendig, die niemanden finanziell überfordert. Trotz anhaltender Debatten und Desinformationskampagnen wäre mehr als die Hälfte der Befragten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn dadurch die eigene Rente steigt. Auch bei der Vergabe von Facharztterminen plädiert eine klare Mehrheit von 77 Prozent für eine strikte Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten.

Das Sozialstaatsbündnis fordert von der Bundesregierung, mehr für die ökologische Transformation zu leisten und dringend notwendige Schritte sozial gerecht zu gestalten – mit fairer Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Warum dieses Bündnis jetzt?

Das Bündnis beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in öffentliche Institutionen, demokratische Parteien und den Sozialstaat. Diese Entwicklung wird durch Stimmen verstärkt, die den Sozialstaat einseitig als Belastung darstellen, statt seine Rolle für soziale Sicherheit, wirtschaftliche Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorzuheben. Dazu wollen die Organisationen des Bündnisses gemeinsam den Druck auf die Politik erhöhen.

Die unterzeichnenden Verbände vertreten gemeinsam mehr als 20 Millionen Mitglieder, Beschäftigte, ehrenamtlich Aktive und Ratsuchende. Sie erleben jeden Tag, wie Solidarität entsteht und welche riesigen Potenziale in einem gerechten und leistungsfähigen Sozialstaat stecken. Die Verbände sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, für eine Politik zu kämpfen, die den Sozialstaat stärkt und von der alle Menschen in Deutschland profitieren.

Ziele des Bündnisses

Das Sozialstaatsbündnis verfolgt fünf zentrale Ziele:

  1. Starke, solidarisch finanzierte soziale Sicherungssysteme:
    Ein guter Sozialstaat braucht eine solidarische und verlässliche Finanzierung guter Renten, Gesundheitssysteme und Pflege. Hochvermögende sollen ihren Beitrag stärker leisten, kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.
  2. Handlungsfähiger Sozialstaat in Bund, Land und Kommune:
    Leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge – von Bildung über Gesundheit bis Wohnraum – stärkt das Vertrauen in Staat und Gesellschaft.
  3. Gute Arbeit und soziale Absicherung:
    Tarifbindung stärken, faire Mindestlöhne sichern und Arbeitsbedingungen ausbauen sowie Arbeitsmarktpolitik, die Beschäftigte bei Wandel und Übergängen unterstützt.
  4. Armut wirksam bekämpfen und Teilhabe fördern:
    Soziale Ungleichheit verringern, Inklusion vorantreiben und den Zugang zu Bildung für alle ermöglichen.
  5. Klimaschutz mit sozialer Sicherheit verbinden:
    Ökologische Transformation muss sozial gerecht gestaltet werden – mit fairer Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Mitglieder der Allianz

  • Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
  • Deutscher Caritasverband
  • Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Deutscher Mieterbund
  • Der Paritätische Gesamtverband
  • Diakonie Deutschland
  • IG Metall
  • Sozialverband Deutschland SoVD
  • Sozialverband VdK Deutschland
  • Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
  • Volkssolidarität
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

Statement

Gemeinsam für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat – Statement der Verbände zum Sozialstaatsbündnis

Ergebnisse der YouGov-Umfrage

Die zentrale Erkenntnis: 79 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Hinweise zur Methodik: Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 20. bis 23.02.2026 insgesamt 2315 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/sozialstaatsbuendnis-umfrage-grosse-mehrheit-fuer-starken-sozialstaat/
 

Musik ohne Grenzen
AWO Neujahrskonzert 2026 mit Verleihung der Regine-Hildebrandt-Medaille

Preisverleihung: Gruppenbild vor der Bühne stehen 7 Menschen. Das Publikum hinter ihnen. Frau in der Mitte hält großen Blumenstrauß.

„Mit Mut und Weitsicht hat sie sich für eine starke Gemeinschaft eingesetzt, zu einem Zeitpunkt, als noch nicht zu erkennen war, wie wichtig dieser Zusammenhalt einmal sein wird.“ Die Rede ist von Renate Bossack aus Guben, die beim diesjährigen AWO Neujahrskonzert am vergangenen Samstagnachmittag im Nikolaisaal für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement mit der Regine-Hildebrandt-Medaille ausgezeichnet wurde. Zum seit rund 20 Jahren stattfindenden neujährlichen Konzert des AWO Bezirksverband Potsdam e.V. hatte in diesem Jahr die Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt in Brandenburg – mit der Potsdamer AWO und den AWO Bezirksverbänden Ost, Nord und Süd  – sowie der AWO Landesverband Berlin eingeladen. Organisiert wird das Neujahrskonzert vom Reiseclub Berlin-Brandenburg (RCB), damit die über 700 Gäste einen unbeschwerten Nachmittag erleben können.

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